Gletscher, Bären, Trapperhütten – Unter Segeln in den arktischen Norden Spitzbergens
Pre-Opening Veranstaltung des WDV-Festivals 2026 in Mellrichstadt
„Diese Landschaft hat nichts Irdisches mehr. Sie scheint in ihrer Entrücktheit ein in sich geschlossenes Leben zu führen.“ Die Zeilen stammen von der Österreicherin Christiane Ritter. Die Malerin und Autorin verbrachte den Winter 1934/1935 zusammen mit ihrem Ehemann und einem weiteren Begleiter im äußersten Norden Spitzbergens. Während die beiden Männer tagelang auf der Jagd waren, schrieb Christiane das Buch „Eine Frau erlebt die Polarnacht“. Es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und bis heute millionenfach gedruckt.
Als Bernd G. Schmitz 88 Jahre später vor Christane Ritters Trapperhütte bei Grahuken stand, hatten er natürlich auch Ritters Buch zur Hand. Anders als die Schriftstellerin war der Journalist allerdings im arktischen Sommer in der von ihr beschriebenen Einöde unterwegs – nicht mit Schlitten und Schneeschuhen, sondern mit einem 30 Meter langen Stagsegelschoner mit eisverstärktem Rumpf, der 1946 in Hamburg-Finkenwerder gebaut wurde
Für Naturbeobachter ist Spitzbergen ein Paradies. Neben den Eisbären, denen man besser nur mit einem bewaffneten Guide begegnet, gibt es Tausende von Rentieren, die – nähert man sich Ihnen behutsam – erstaunlich wenig Scheu vor Menschen haben. Gleiches gilt für die neugierigen Wahlrosse, deren markante Stoßzähne vor allem dazu dienen, im Meeresgrund nach Muscheln zu graben. Da, wo die Inlandsgletscher Spitzbergens bis zur Küste reichen, kalben diese mit lautem Getöse ins Meer. Mit dem sich auch in der Arktis verändernden Klima schrumpfen diese schneller als in anderen Weltregionen.
Neben der überwältigenden Landschaft sind es die noch existierenden Zeugnisse der Trapper- und Industriekultur, die Bernd G. Schmitz fotografierte und in seinen Vortrag behandelt. Zum Beispiel das Grab Hansine Nilsen Furfjords, die mit ihrem Mann Peder von 1904 bis 1905 in dessen Trapperhütte überwinterte, schwer erkrankte und starb. Oder die Ruinen der verlassenen Bergbausiedlung Ny-London und deren vor sich hinrostendem Maschinenpark. Dort ließ der englische Geschäftsmann Ernest Mansfield Anfang des 20. Jahrhunderts Marmor abbauen.
Nur wenige Seemeilen entfernt, auf der anderen Seite des Kongsfjords, liegt die Forschungsstation Ny-Ålesund, die nördlichste ständig bewohnte Siedlung der Erde. Von dort unternahmen der Norweger Roald Amundsen und der Italiener Umberto Nobile 1926 und 1928 ihre Luftschiffexpeditionen zum Nordpol. Während der Hangar später abgerissen wurde, ist der Ankermast noch heute in Ny-Ålesund zu bewundern.
Der mehrwöchige Segeltörn mit der dem alten Schoner „Meander“, dessen Patina viel von dessen eigener Geschichte vermittelt, war die zweite Reise des Referenten nach Spitzbergen.
Inzwischen ist er, da ist er ganz sicher, mit dem Polarvirus infiziert.