"roses4rights"
Eine Aktion unseres "Café International" zum Weltfrauentag

Rosen zum Abschluss des Projekts Café International – eineinhalb Jahre Sprachförderung und Freizeitgestaltung für Frauen an der vhs

Fleißig Blumen gehäkelt, Tüten gebastelt und gebacken haben die Frauen von „Café International“ in Bad Königshofen, um die Pflegerinnen vom Pflegezentrum Franken Care am Weltfrauentag besonders zu ehren und zu beschenken. Am 08. März übergaben einige Frauen die Ergebnisse ihrer Arbeit an Vertreterinnen des Hauses.

Die Idee für die Aktion „roses4rights“ wurde von der vhs Aschaffenburg übernommen und leicht abgewandelt. Man will darauf aufmerksam machen, dass der Alltag für die Frauen noch lange nicht rosig ist. Eingefordert werden vier Grundrechte für Frauen weltweit:
• Schutz vor Gewalt und Diskriminierung,
• Selbstbestimmung,
• Chancengleichheit und
• gesellschaftliche Teilhabe.

In Bad Königshofen wurden nicht nur Rosen, sondern auch Tulpen gehäkelt, dazu gab es jeweils ein süßes Zusatzgeschenk. Renate Knaut, Pädagogische Leitung der vhs Rhön und Grabfeld, gab Informationen vor Ort. Um Begegnungen und persönliche Kontakte zu fördern, wurde innerhalb der vhs Rhön und Grabfeld das Café International gegründet, das jede Woche für Frauen unterschiedlicher Kulturen zum Treffpunkt wurde. Asylbewerberinnen, Flüchtlinge und Frauen mit anderen Migrationshintergründen finden dort die Möglichkeit, sich in Deutsch auszutauschen, sprachlich sicherer zu werden und gemeinsam Freizeit zu verbringen, losgelöst von familiären Verpflichtungen.
Das Café International startete im Herbst 2019 mit regelmäßigen Treffen am Samstag Nachmittag in Mellrichstadt im vhs-Bürgerhaus. Unter der Leitung der Integrationskursdozentinnen Renate Brandstädter und Xenia Pilguk bildete sich eine Stammgruppe, die immer wieder durch neue und unregelmäßig teilnehmende Frauen ergänzt wurde.
Die Gruppe war sehr heterogen, sowohl was die kulturelle und religiöse Herkunft als auch die Zeit in Deutschland angeht. Gemeinsame Sprache konnte hier nur Deutsch sein, dadurch wurde ganz selbstverständlich die mündliche Kommunikation auf Deutsch gefördert. Neben Frauen, die als Geflüchtete zu uns gekommen waren, wurde das Café auch von Europäerinnen und einer Amerikanerin besucht.

Ziel war es, den Frauen, die meist sonst ausschließlich für die Familienarbeit zuständig und damit überwiegend nur zu Hause waren, einen Freiraum, Zeit für sich selbst und einen positiven Kontakt zu anderen Frauen in einer angenehmen Atmosphäre bei Kaffee, Tee und Gebäck zu
ermöglichen. Die Gesprächsthemen entwickelten sich aus der Gruppe und umfassten viele Bereiche: das Leben als Mutter, Ausbildung und Arbeit, persönliche Interessen und Freizeitgestaltung, politische und gesellschaftliche Themen, Gesundheit, Essen und Trinken, kulturelle und sprachliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten und vieles mehr.

Auch in Bad Königshofen wurde ein solches Café an der vhs Rhön und Grabfeld ins Leben gerufen; es begann ein paar Wochen später. Später entstanden mehrere Gruppen, die von verschiedenen Ehrenamtlichen koordiniert wurden. In Bad Königshofen wurde zunächst Montag Nachmittag als üblicher Termin für die Treffen angesetzt. Später wurde dies variabel gehandhabt, bedingt durch verschiedene Unternehmungen und Ausflüge, Treffen unterschiedlicher Gruppen und eine vollständige Neuorientierung durch Corona. Ort für die Treffen des Internationalen Cafés in Präsenz war hier die vhs im Alten Kindergarten in Bad Königshofen. Von Anfang an war es wichtig, die Ideen der Teilnehmerinnen und ihre Fähigkeiten und Kenntnisse mit einzubeziehen. Es gab Koch- und Backaktionen nach Rezepten aus verschiedenen Kulturen, eine Yogastunde, kurdische Kreistänze, Kreativ- und Handarbeitstechniken sowie Ausflüge. Integrationskursdozentin Veronika Keim und Katharina Rerich als Ehrenamtliche leiteten und moderierten die Treffen, die in wechselnder Besetzung von 15 bis 20 Frauen besucht wurden.

Mitte März 2020 kam auch für das Café International der Corona-Lockdown überraschend und legte alle persönlichen Kontakte auf Eis. Skype erwies sich für die Frauen als das einfachste Konferenztool, über das nun wöchentliche Treffen online stattfanden. Arbeitsblätter wurden kopiert und in die Briefkästen der Teilnehmerinnen eingeworfen. Ein regelmäßiger Kontakt blieb somit erhalten. Eine Handarbeitsrunde wurde organisiert, um verschiedene Techniken (Stricken, Häkeln, Nähen) voneinander zu lernen, das geht auch virtuell.

Durch die Corona-Zeit und die damit verbundenen ausschließlich über Online-Konferenz möglichen Treffen hat sich die Gesamtgruppe zwischenzeitlich zunächst verkleinert. Besonders für einige Frauen, die in der Gemeinschaftsunterkunft wohnen, war der Zugang durch ihre bislang geringeren sprachlichen und digitalen Kenntnisse und Zugangsmöglichkeiten zu den Online-Treffen zu schwer. Hier konnte im Sommer eine neue Gruppe aufgebaut werden, die von einer einheimischen und einer aus Kenia stammenden Ehrenamtlichen angeleitet wurde und im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Bad Königshofen stattfand. Gemeinsame Treffen der einzelnen Gruppen und Unternehmungen in einer größeren Gruppe waren geplant, konnten dann aber leider nicht mehr umgesetzt werden. Im Herbst stiegen die Infektionszahlen wieder, so dass Treffen in größerer Besetzung zu riskant erschienen. Außerdem ging die aus Kenia stammende Ehrenamtliche zurück in ihr Heimatland, und die einheimische Ehrenamtliche traute sich alleine, gerade auch in der unsicheren Corona-Situation, die Leitung der Gruppe nicht zu, und im Spätherbst konnten dann auch keine Treffen mehr im Freien stattfinden.

Ein Höhepunkt für die Stammgruppe war ein Sonntagsausflug in den Wildpark nach Tambach bei Coburg. Hier waren auf Wunsch der Frauen die Familien mit eingeladen, und es entstand ein lebhafter Austausch über verschiedene Kulturen, fränkisches Brauchtum und das Leben in der Region.

Aufbauend auf den Erfahrungen mit dem Lockdown und der damit verbundenen Erfahrung, dass digitale Kompetenzen in verschiedenen Situationen im Alltag wichtig sind, entstand bei einigen Frauen der Wunsch nach einem Computerkurs. Die vhs verfügt über Schulungs-Laptops, und so konnte in Kleingruppen auf die individuellen Fragen der Teilnehmerinnen eingegangen werden und u.a. das Anlegen einer E-Mail-Adresse, das Schreiben von E-Mails, Recherche im Internet, Bestellungen in Online-Shops mit den damit verbundenen Sicherheitsvorkehrungen vermittelt werden. Hier unterstützte ein Ehrenamtlicher, der auch schon als Dozent für die vhs gearbeitet hat und in den Bereichen Fotografie, Werbung und Medien tätig ist.
Zum Projektende sind sich alle Beteiligten einig: Die Verbindung aus Deutschförderung, Kaffeetrinken, Austausch und gemeinsamer Freizeitgestaltung, sei es in Präsenz oder digital,  verhilft zu neuen, guten Erfahrungen, stärkt das Selbstbewusstsein der Frauen, gibt Sicherheit und Mut, sich neuen Situationen zu stellen, schafft Freundschaften und ein Gefühl der Zugehörigkeit.
Text: Regina Vossenkaul, Renate Knaut
Bild: Regina Vossenkaul


Cafe International

 

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