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Das Team der vhs Rhön und Grabfeld verabschiedet
Herrn Schemmerling.

Verabschiedung in den Ruhestand

Klaus Schemmerling hat die vhs Rhön und Grabfeld entscheidend geprägt

Nach 28 Jahren als Leiter der Volkshochschule Rhön und Grabfeld geht Klaus Schemmerling in den wohlverdienten Ruhestand. Der Erwachsenenbildung hat er sein Berufsleben gewidmet, sie hält er für unbedingt notwendig, weil sich vieles ständig verändert und Wissen den Weg durchs Leben erleichtert und mitbestimmt. In einem Gespräch beantwortete er Fragen zur Entwicklung der vhs und erinnerte an die Anfänge der kommunalen Bildungseinrichtung.

Wie kamen sie zur vhs?
Ich habe mich 1991 auf Empfehlung bei der vhs Mellrichstadt und Bad Königshofen, wie sie damals noch hieß, beworben. Zuvor war ich in der Evangelischen Landeskirche der Pfalz als Bildungsreferent und danach beim Evangelischen Bildungswerk Frankenforum in Würzburg tätig.  In diesem Zusammenhang gehörte das Evangelische Dekanat Bad Neustadt/Saale in meine Zuständigkeit und ich kannte die Region. Als studierter Diplompädagoge mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung und Politologie hat mich die Aufgabe die beiden Volkshochschulen zusammenzuführen gereizt.

Nicht alle Kommunen unterstützen die vhs finanziell, wie war das damals?
Es war äußerst schwierig die Gemeinden vom Stellenwert der Erwachsenenbildung/Volkshochschule zu überzeugen. Auf einen Beitrag von einer DM pro Einwohner hatte man sich geeinigt, das war einigen Gemeinden zu viel! Ich bin durch die Gemeinden getingelt und habe für die kommunale Volkshochschule geworben. Die Grundidee war, dass die Finanzierung der Volkshochschule zu je einem Drittel von den Teilnehmern, einem Drittel durch die Kommunen und das letzte Drittel durch den Freistaat Bayern getragen werden sollte. Heute tragen die Teilnehmerbeiträge und andere Einnahmen die vhs zu 70 Prozent und der Rest wird durch die Kommunen und Freistaat finanziert. Wenn ich daran denke, dass der erste Verwendungsnachweis der beiden Volkshochschulen einen Gesamthaushalt von damals 175.000 DM  (89.476 €) hatte und in 2018 der Haushalt von 839.339 € betrug, so hat sich einiges bewegt. Leider sind manche Gemeinden wie zum Beispiel Sulzdorf a.d.Lederhecke, Nordheim/Rhön, Hendungen, Großeibstadt aus politischen Gründen aus dem Verbund ausgetreten. Bildung kostet eben Geld und die Bildungs-DM (0,50 € pro Einwohner und Jahr) waren eben zu viel für die Gemeinderäte.

Gab es ein zentrales Büro?
Es war so gedacht, dass ich drei Tage in Mellrichstadt und zwei Tage in Bad Königshofen arbeiten sollte. In Mellrichstadt gab es ein kleines Büro, das wie in den 50er Jahren ausgestattet war, , ohne Schreibmaschine oder PC, es wurde mit Karteikarten gearbeitet, die Kursgebühren wurden in bar kassiert. Den ersten PC und einen Drucker habe ich dann vom eigenen Geld gekauft, der dienstliche PC kam nach zwei Jahren, als mein PC veraltet war. In Bad Königshofen saß ich zunächst in der Registratur im Rathaus, erst später wurde im Salzhaus ein kleines Büro eingerichtet. Wenn man damals die Leute gefragt hat „wo ist die Vhs?“ konnte es keiner sagen. Heute haben wir in Mellrichstadt das vhs Bürgerhaus und seit 2017 in Bad Königshofen den ehemaligen Kindergarten. Jetzt wissen die Bürger wo die vhs zu finden ist. Alle Räumlichkeiten der vhs können sich mit den großen, städtischen Volkshochschulen messen und sind auf dem neuesten technischen Stand. Aber auch in den Gemeinden mit VG-Sitz sind wir mit Kursangeboten vertreten.

War das Angebot schon immer so breit gefächert wie heute?
Ich habe im Oktober 1991 bei der vhs Mellrichstadt begonnen, im Februar musste schon das neue Programm fertig sein. Zum Glück konnte ich auf bereits bestehende, ehrenamtliche Strukturen zurückgreifen. Es ging hauptsächlich um die Frage, welche Dozenten zur Verfügung stehen, um die Handlungsfelder bedienen zu können. Von Anfang an ging es um Schwerpunkte wie Sprachen, Maschinenschreiben, Steno, EDV und Gesundheitsbildung. Ein großer Schritt war die Einrichtung von EDV-Räumen mit 16 Arbeitsplätzen. Heute stehen insgesamt 40 PC  (20 Bad Königshofen/20 in Mellrichstadt) mit unterschiedlichen Betriebssystemen zur Verfügung, interaktive Displays und vieles mehr.

Welche Kurse oder Projekte sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Es gab ein Projekt zur Integration von jugendlichen Spätaussiedlern in Bad Königshofen das in der Trägerschaft unserer vhs fortgeführt werden konnte. Die vhs hat sich als ein wichtiger Träger in das Jugendkultur-Netzwerk aktiv eingebracht. Die Zertifikatskurse Buchhaltung, denen ein  bundeseinheitliches Konzept und Prüfungen zugrunde liegen. Die Kurse haben von Einstieg bis hin zu Themen Kostenleistungsrechnung, Bilanzieren, Lohnbuchführung etc. alles geboten. In der Kulturellen Bildung waren wir aktiv. Die große Kunstausstellung Bad Königshofen, die Kulturimpulse Mellrichstadt, KIK wurde gegründet (Kultur in Bad Königshofen), daraus ging der Kunsthandwerkermarkt hervor. Gesundheitsbildung im Kurzentrum Bad Königshofen liefen die sehr erfolgreichen Diabetiker-Tage in Zusammenarbeit mit dem Diabetologen Dr. med. Friedrich Oehm. Heute sind wir eine moderne, gut ausgestattete Bildungseinrichtung mit großer Lernvielfalt. Ein tiefgehender Einschnitt war die Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH , die durch insgesamt 21 Kommunen als Gesellschafter getragen wird. Darin wird deutlich, dass unsere Volkshochschule ein Bürgerservice der Kommunen ist und die Teilnehmerbeiträge moderat gehalten werden können.

Sie gehen jetzt mit 65 Jahren in den Ruhestand, fällt der Abschied schwer?
Ich konnte fast 40 Jahre, davon 28 Jahre in der vhs Rhön und Grabfeld, lang sagen: „Mein Beruf ist meine Leidenschaft“, dafür bin ich dankbar. Ich sehe die vhs als Regionalentwickler, für die einzelnen Bürger und die Gemeinden, mein Team und ich konnten viel bewegen. Ich hinterlasse meinem Nachfolger ein geordnetes Haus, deshalb fällt mir der Abschied nicht so schwer.

Haben sie Pläne für den Ruhestand?
Ich gönne mir ein „Sabbathalbjahr“, um mich einmal ganz auf mich zu besinnen und auf das, was ich gern tun möchte. Zeit haben, um mich als Mensch außerhalb des Berufes wahrzunehmen und nicht gleich wieder in ein Engagement verfallen. Was ich nicht will ist, wieder unter dem Druck der Zahlen zu geraten, den Druck von Terminen folge zu leisten zu müssen. Die berufsfreie Zeit öffnet mir neue Türen der Freiheit zu selbstbestimmten Tun, ist die Chance der nachberuflichen Zeit. Was auf mich zukommt weiß ich nicht, aber spannend wird es mit Sicherheit. Was ich sicher weiterführen werde, ist der Bereich  Meditation/Kontemplation, Bogenschießen und Golfspielen (beides ist auch meditativ) was ich auch machen werde ist das Fahrradfahren als Fahrradtouren-Guide intensivieren und mich der Genealogie meiner Familie widmen. Text: Regina Vossenkaul
Foto: Heiko Rebhan