Im vhs-Sprach-Campus können alle voneinander lernen

„Deutsch ist schwer“, sagen Flüchtlinge – Abiturienten helfen ihnen in der beim Lernen

Das Thema Flüchtlinge beherrscht die Nachrichten. Doch im Alltag ist es für viele Menschen, insbesondere für Jugendliche, eher mit Schulterzucken verbunden. Wer außerhalb der Helferkreise kennt schon Flüchtlinge und Asylsuchende mit Namen, wer pflegt Kontakte zu Frauen und Männern aus Afghanistan oder Aserbaidschan?
Eine Gruppe von Gymnasiasten hat den Anschluss gesucht und widmet einen Nachmittag in der Woche den Teilnehmern eines Alphabetisierungskurses an der Volkshochschule Rhön und Grabfeld. Das dient nicht nur der Vorbereitung aufs Abitur, sondern hat auch einen tollen Nebeneffekt. „Wir sind viel offener geworden und sehen nicht mehr nur Flüchtlinge, sondern die Menschen“, sagen die Schüler.

Dass aus Fremden Freunde werden, ist ein langer Weg. Der erste Schritt ist, Interesse füreinander zu zeigen. Das klappt in Mellrichstadt prima, das hört man. Im Kursraum im Bürgerhaus geht es lebhaft zu, man lacht miteinander, versucht, sich zu verständigen - manchmal auch mit Händen und Füßen. Die Asylsuchenden und Flüchtlinge aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, Somalia, Kroatien und Serbien lernen im Integrationskurs deutsch, die Schüler lernen fremde Kulturen und den Neustart von aus der Heimat geflüchteten Menschen in Deutschland kennen.
Eine Win-win-Situation, sagt Tizian Bauer. Er ist Gruppensprecher der Zwölftklässler, die am Martin-Pollich-Gymnasium (MPG) das Praxis-Seminar „Flüchtlinge im Altlandkreis Mellrichstadt“ belegt haben. „Wir wollten uns sozial engagieren und mit Flüchtlingen lernen“, so die Schüler, das ist jetzt jeden Donnerstagnachmittag
Das MPG hatte das Projekt als Thema für ein sogenanntes P-Seminar vorgeschlagen. Die zwölf Kursteilnehmer und Kursleiter Peter Grösch haben es dann selbst in die Hand genommen, eine geeignete Plattform zu finden. Bei der vhs rannten die Schüler offene Türen ein. „In allen Kursen wird Hilfe gebraucht, es ist schön, dass wir solch ein Angebot bekommen haben“, sagt vhs-Geschäftsführer Klaus Schemmerling. Seit diesem Schuljahr wird nun also im Alphabetisierungskurs nicht nur Sprache gepaukt, es werden auch soziale Bande geknüpft und kulturelle Besonderheiten besprochen. Alles auf deutsch, versteht sich. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Aber in vielen Fällen lustig. Und immer lehrreich.
Klar, dass die Teilnehmer auch über ihre kulturellen und religiösen Hintergründe sprechen. „Beim Thema Ramadan haben wir von den Asylsuchenden viel gelernt, und einige Frauen haben uns erklärt, warum sie ein Kopftuch tragen“, verraten die Abiturienten. Besonders bewegend war für die Schüler, als die Frauen und Männer über ihre Erlebnisse auf der Flucht gesprochen und ihnen ihre Fluchtrouten aufgezeigt haben.Die Schüler haben mit den Kursteilnehmern auch ein paar Ausflüge unternommen, die sie noch mehr zu einer Gemeinschaft zusammengeschweißt haben. Im Heimatmuseum Salzhaus hat Museumsleiter Rudolf Mauder Asylsuchenden und Gymnasiasten gezeigt, wie man mit einem Gänsekiel schreibt. Das war für alle eine neue Erfahrung. Und auch eine Stadtführung durch Mellrichstadt war lehrreich, vor allem für diejenigen, die neu in Mellrichstadt leben.
Besonders stolz sind die Projektpartner auf ihren eigens konstruierten Schnullerautomat, der aus der Grammatik-Diskussion entstanden ist, warum der Junge männlich, das Mädchen aber Neutrum ist. „Deutsch ist sehr schwer“, da spricht Dragana allen Kursteilnehmern aus der Seele. Die meisten sind seit zwei oder drei Jahren in Deutschland, haben einen Platz im Integrationskurs ergattert und strengen sich nun an, deutsch zu lernen. Kursleiterin Ligia Maia-Berndt, gebürtige Brasilianerin, freut sich, dass sich das Sprachniveau seit dem Hinzukommen der Gymnasiasten verbessert hat.

Für Klaus Schemmerling ein Glücksfall. „In unseren Kursen ist Hilfe willkommen“, sagt er. Wenn es mit der Sprache nicht klappt, haben es Asylsuchende schwer, Kontakte in der neuen Heimat zu knüpfen. Afat aus Aserbaidschan gibt sich redlich Mühe, sie ist seit über zwei Jahren in Deutschland, hat einen Schrebergarten in Meiningen, den sie liebt, und freut sich jeden Tag auf den Integrationskurs, um besser deutsch zu lernen. Vaman aus Stetten kommt täglich mit dem Bus nach Mellrichstadt, ebenso wie Naweed aus dem Irak, der in Bad Neustadt lebt. Schon recht gut integriert ist Dragana, die mit ihrem Mann aus Kroatien nach Mellrichstadt gekommen ist, weil ihr Bruder bereits hier lebt. Neben Ligia Maia-Berndt lobt sie das Engagement der Schüler, die ihnen helfen, deutsch besser zu sprechen und zu verstehen.

Vor den Feiertagen wollen die Gymnasiasten aber noch zum großen öffentlichen Projektabend einladen, bei dem sie über ihre Arbeit mit den Asylsuchenden berichten und die Flüchtlinge ihre Geschichte erzählen. Der Termin steht allerdings noch nicht fest.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der "Mainpost", Bericht Simone Stock
 
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