Auf den Spuren jüdischen Lebens in Bad Königshofen besuchte die talentCAMPus-Gruppe mit Angela Sey (rechts) auch den jüdischen Friedhof.

talentCAMPus - eine Woche 
auf den Spuren jüdischen Lebens

Der talentCAMPus war eine von mehreren Veranstaltungen innerhalb des Pfingst-Ferienprogramms in Bad Königshofen, die
vom Netzwerk für Jugendkultur veranstaltet werden.
Jugendliche befassten sich unter der Leitung von Angela und Tochter Anna Sey mit jüdischer Kultur, ihren Bräuchen und ihrer Geschichte. Dazu gehörte natürlich auch die Verfolgung der Juden, vor allem in der Nazizeit. Was bedeutet eigentlich „Holocaust“ und wie hat sich die Judenverfolgung in Bad Königshofen ausgewirkt?

Angela Sey, vielen Kindern und Jugendlichen schon seit Jahren bekannt durch ihre Theaterprojekte, hat Geschichte studiert und hatte fundierte Informationen mitgebracht. Die Jugendlichen besuchten auch den jüdischen Friedhof.

Am zweiten Tag berichtete ein jüdischer Jugendlicher, wie er seine Bar Mizwa erlebt und gefeiert hat. Die Gruppe hat gemeinsam Mazen gebacken, Szenen nachgespielt und gespannt den Erzählungen von Angela Sey gelauscht, die von ihrem Besuch in Auschwitz erzählte.

Antisemitismus – was ist das und wie ist das entstanden, dieser Frage ging man gemeinsam nach.
Auf den Spuren jüdischen Lebens in Bad Königshofen besuchte die Gruppe den jüdischen Friedhof und den Synagogen-Gedenkstein, die ehemalige echte Synagoge konnte man nur auf einem Foto sehen.

Die Kursteilnehmer zogen ein Fazit und durften schon einen Blick auf die im Sommer laufende Sonderausstellung über jüdisches Leben werfen. Anna Helmerich (15 Jahre) formuliert, was die anderen ähnlich empfinden. „Ich weiß jetzt mehr und kann manche Dinge besser verstehen. Zum Beispiel, warum die Palästinenser immer im Mai eine Offensive starten, weil im Mai der Staat Israel gegründet wurde. Ich kann mich in den jüdischen Glauben und die Tradition besser hineindenken. Wir haben auch über die Vorgeschichte vom Judenhass gesprochen und über den Holocaust, das war alles sehr interessant und beeindruckend.“

Durch Informationen eine andere Sichtweise gewonnen:
Für Adam Gornakashvili (12 Jahre) war der Kurs sehr informativ und hat trotz der ernsten Themen Spaß gemacht. Er ist im muslimischen Glauben aufgewachsen und dachte, die jüdische Religion sei eine Glaubensrichtung wie jede andere. Er hat nicht gewusst, dass die Juden derartigen Verfolgungen ausgesetzt waren. Jeden Abend hat er mit seinen Eltern darüber diskutiert, was er Neues erfahren hat und sie konnten mit ihrem Wissen etwas hinzufügen. Er hat seine Einstellung den Juden gegenüber,
denen oft die Schuld an Missständen und Katastrophen angelastet wurden, geändert. „Ich habe auch nicht gewusst, was Juden
alles beigetragen haben zum Aufbau und zur Industrialisierung. Es ist alles gut erklärt worden“, sagte Adam.

Der talentCAMPus war kostenfrei und gehört zum Ferienbildungsprogramm des Deutschen Volkshochschulverbandes (dvv e.V.) im Rahmen von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Anlässlich 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland wird es im Museum "Die Schranne" eine Ausstellung geben, die die
Gruppe teilweise schon vorab betrachten konnte.

Text und Fotos: Regina Vossenkaul |